Früher war alles besser!

Aus gegebenen Anlass möchte ich mich heute mal zu Wort melden. Eigentlich ist gerade ein ganz anderer Artikel in Arbeit, aber der kann/muss warten.

Der Anlass ist die Archivierung des Caches „Maisterlabyrinth“ (GCPRF5) von Portitzer. Ein Cache aus dem Jahr 2005, der Saisonbedingt nur ca. 2 Monate im Jahr findbar war und das über 10 Jahre lang. Nach ca. 3,5 Monaten regulärer Deaktivierungsphase ist er seit dem 12. Januar 2015 nun im Archiv. Warum? Und vor allem warum nach 10 Jahren? Warum ging es früher und warum heute nicht mehr? Haben sich die Guidelines geändert?

Nein, aber die Zeit. Seit 15 Jahren gibt es Geocaching und erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und Popularität. Die damit verbundene steigende Zahl an Geocachern, die dieses Hobby betreiben, bringt zwangsläufig auch Veränderungen – negative wie positive. Das wird nicht immer gefallen, ist aber der Lauf der Dinge und nicht zu ändern. Damit alles in geordneten Bahnen verläuft, gibt es gewisse Verbindlichkeiten, die in einem Regelwerk – den Guidelines – festgelegt sind. Und es gibt Reviewer, die für die Einhaltung dieser Regeln zuständig sind.

Reviewer sind allerdings auch keine Übermenschen, sie sind Menschen wie Du und ich. Und auch Reviewer sind nicht unfehlbar. Auch sie machen Fehler, oder sagen wir mal Dinge, die der Community nicht immer gefallen.

Der eingangs erwähnte  Cache und Thema dieses Beitrags ist so ein Fall. Besonders traurig ist dabei, nicht nur die Archivierung dieses, ich möchte mal sagen, Oldies (auch wenn es noch ältere Caches gibt), sondern auch die Reaktion des Owners, der aufgrund dessen alle seine anderen Caches archiviert hat – darunter auch einen Virtual (GCGM8H) und eine Webcam (GCMETC). Letzteres ist besonders tragisch, da diese Cachetypen, nicht mehr gepublisht werden und auch nicht mehr aus dem Archiv geholt werden können, sollte es sich der Owner anders überlegen. Selbst wenn Owner und Reviewer wöllten, es geht nicht. Damit sind leider wieder zwei dieser besonderen Arten für immer verloren. Schade!

Wir können jetzt Hetztiraden gegen den Reviewer schreiben und laut aufschreien, wie dumm diese Archivierung war. Aber was bringt das? Natürlich ist es bedauerlich, wie es gelaufen ist, sowohl die Aktion des Reviewers als auch die Reaktion des Owners.

Um ein bisschen zu verstehen, was hier passiert ist und warum der Reviewer so gehandelt hat, will ich mich einmal versuchen in ihn und aber auch in den Owner hineinzuversetzen. Wir beginnen mit letzterem, denn das wird uns einfacher fallen. Wir stellen uns vor, wir sind seit 2003 – quasi seit den Anfängen des Geocachings – aktiv als Geocacher und Owner dabei. Wir entwickeln mit viel Herzblut neue Ideen, um anderen mit besonderen Caches eine Freude zu machen. Wir wollen keine 0815-Leitplanken-Dosen verstecken. Wir wollen schöne Flecken unserer Heimat anderen zeigen, damit sie wie wir die herrliche Aussicht genießen und in der Natur neue Energie für den Alltag tanken können. Wir lieben unser Hobby. Und dann kommen da ein paar Reviewer daher, die uns das Leben schwer machen und auf ihre Guidelines pochen, die sie wie wir meinen, nach eigenem Ermessen und willkürlich anwenden.

Wirklich willkürlich? Nein, denn jetzt ist es einmal Zeit sich in die andere Seite hineinzuversetzen. Wir sind noch keine 10 Jahre als Cacher dabei und seit noch nicht einmal zwei Jahren sind wir Reviewer. Wir sitzen jeden Tag Stunden am Rechner und ärgern uns mit Ownern herum, die die wildesten Ideen haben – gute, schöne, lustige, waghalsige und zum Teil auch illegale (denn die haben ihren besonderen Reiz). Eigentlich wollen wir doch lieber selbst draußen sein und cachen, denn das macht uns Spaß. Aber auch die Arbeit als Reviewer macht uns Spaß, denn sonst würden wir das nicht machen. Auch, wenn es nicht immer ganz leicht ist, denn es gibt auch Situationen, wo wir vermuten es könnte Ärger geben. Wir fragen beim Owner nach und bekommen eine Antwort, bei der wir wissen, er schwindelt, aber wir können es ihm nicht beweisen und das Listing entspricht den Guidelines und muss durchgewunken werden. Wir hoffen auf die Community, dass sie diesen Quatsch nicht mitmacht. Setzen den Cache auf unsere Watchlist und schon trudeln die ersten euphorischen Logs ein. Na gut, dann ist das halt so, so lange es keinen Ärger gibt, wir beobachten weiter. Das Mailpostfach ist immer noch gut gefüllt. Ein paar Caches fiebern ihrer Freigabe entgegen und dann sind da noch eine ganze Liste mit deaktivieren Caches, die schon seit 2 bis 3 Monaten auf eine Wartung warten. Wir schreiben unser Standardsätzchen mit der Bitte, dass es nun Zeit für eine Wartung wird, sonst muss der Cache archiviert werden, damit Platz für Neues wird. Darunter ist auch ein über 10 Jahre alter Cache, der seit 3 Monaten deaktiviert ist und nur maximal 2 Monate im Jahr findbar. Um alle gleich zu behandeln, entschließen wir uns auch diesen Cache nach Rückfrage beim Owner zu archivieren. Ein Fehler wie sich herausstellt, denn nun ist das Geschrei groß!

Wie kann man nur! Und wo steht denn in den Guidelines, dass „ein paar Monate“ nur 2 bis 3 Monate umfassen und nicht länger?

Die Steinfrau, ebenfalls ein Urgestein stellt die Frage: „Wie lang dürfen „ein paar Monate“ sein. Da das nicht eindeutig festgelegt ist, ist die Frist u.E. nach oben hin offen. Somit verstößt Portitzers Cache in keiner Weise gegen die offiziellen Richtlinien. Wenn nun Susi Sonnenschein nach eigenem Gutdünken die Grenze für „ein paar Monate“ auf drei Monate festlegt, hat das nichts mit „Gleichbehandlung“ oder ähnlichem zu tun, sondern es ist u.E. reine Willkür. Sollte es, wie auch der Waldpirat vermutet, eine geheime Richtlinie nur für die Reviewer geben, in der „couple of months“ auf drei Monate festgelegt wird, dann wäre das Willkür…“

Ich kann den Ärger verstehen, muss aber auch gleich sagen, es ist keine Willkür, denn alle sächsischen Caches werden gleich behandelt. In Zeiten als ApproV noch als Chef hinter dem Archivierungsknöpfchen saß, betrugt die Zeitspanne von „ein paar Monaten“ sogar lediglich 2. Und auch er hatte besagten Cache schon einmal auf der Abschussliste. Nur hatte damals der Owner das Glück, dass er den Cache zeitnah aktivieren konnte, sonst bin ich mir sicher wäre er da schon im Archiv gelandet. Ob nun 2 oder 3 Monate, ich finde es auf jeden Fall gut, dass dies so bei uns gehandhabt wird. Schaut einmal zu unseren tschechischen Nachbarn, wie viele graue Dosen dort schon über viel, viel längere Zeit deaktiviert sind und die nicht vorhandenen und nicht gewarteten Dosen den Platz für neue Ideen versperren.

Und eben weil der Reviewer nicht willkürlich entscheiden wollte, hat er den Portitzer Cache wie alle anderen Caches nach 3 Monaten Deaktivierungsphase archiviert. Ich hätte in diesem Fall so argumentiert, dass der Cache aufgrund seines Alters Bestandschutz genießt und hier eine begründete Ausnahme gemacht wird. Aber ich bin nicht der Reviewer und habe darüber nicht zu entscheiden. Die Entscheidungen fallen ganz allein die Reviewer selbst, dies meist nicht nur allein, sondern in Rücksprache mit anderen Reviewern oder mit Groundspeak. Und natürlich steht bei Problemen Groundspeak in erster Linie hinter seinen Reviewern, ich fände es schlimm, wenn nicht.

Aber jetzt frage ich Euch einmal, was wäre, wenn es keine Reviewer und keine Regeln gäbe? Das wäre schön, dann wäre jeder LP und jede Esse bedost. Dann gebe es nur noch schöne und abenteuerliche Caches. Sicher? Dann gebe es aber auch zunehmend Ärger mit Anwohnern, dem Forst, der Polizei und viele der coolen Dosen wären schneller wieder weg als ihr die Koordinaten auf Eurer GPS-Gerät gezogen habt.

Ich denke, jeder sieht ein, dass es Regeln und Reviewer geben muss. Auch, wenn Ihr nicht immer mit deren Entscheidungen einverstanden seid. Es ist nicht leicht immer die richtige Entscheidung zu treffen und manchmal passieren auch Fehler, die nicht mehr zu ändern sind, aber aus denen wir lernen können – als Owner und als Reviewer. Liebe Reviewer seht doch nicht immer alles nur schwarz-weiß sondern zeigt bei manchen Dingen auch ein wenig mehr Feingefühl. Ich denke da lassen die Guidelines genügend Spielraum, auch so, dass es fair bleibt. Und liebe Owner, denkt daran Reviewer sind Geocacher, wie wir alle, die Freude an diesem Spiel haben und nicht dazu da sind uns das Leben schwer zu machen, sondern mit uns zusammen dieses schöne Hobby betreiben. Alles hinzuschmeißen und alle Caches zu archivieren, weil man einmal nicht mit der Entscheidung eines Reviewers einverstanden ist, ist auch keine Lösung. Arbeitet zusammen und nicht gegeneinander! Und denkt immer daran, es sind nur Tupperdosen im Wald und ein Spiel – in diesem Sinne: Genießt das Spiel!

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4 Gedanken zu “Früher war alles besser!

  1. Vielleicht ein alter Hut, aber ich bin erst neulich über diese Geschichte gestolpert:
    https://cool-web.de/blog/2015-03-12-mein-neuer-geochecker-und-groundspeak.htm
    Und da ich kaum einen Grund habe, an der Schilderung des Bloggers zu zweifeln, frage ich mich, was in dem einen oder anderen Reviewer so vorgeht (und natürlich auch bei GS).

    Oder hier, Abwesenheit jeglichen Augenmaßes: http://coord.info/GC5QTP6
    Und auch ich selbst habe beim Publish meiner wenigen eigenen Caches Dinge erlebt, die mit völlig unverständlich geblieben sind. Wer sich da enttäuscht abwendet, den kann ich durchaus verstehen.
    Schlußendlich gibts dann trotzdem immer mal wieder neue Caches, wo ich mich nach meinen eigenen Reviewer-Erfahrungen frage, wie die durchgekommen sind (aber ich werde nicht petzen…)

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  2. Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu. Sehr ausgewogen geschrieben. Regeln/Guidelines machen natürlich grundsätzlich Sinn und bringen Ordnung ins Hobby. Allerdings schränken sie automatisch die Kreativität der Owner ein.
    Beispiel: Die 161m-Abstandsregel bewahrt uns zwar vor massenhaft Dosen auf engstem Raum – man stelle sich einen Powertrail vor, bei dem aller 10 Meter eine Dose liegt… – hat aber auch schon so manche Veröffentlichung einer fantastischen Cacheidee verhindert, die z.B. an eine bestimmte Location gebunden, aber leider schon von einem anderen Cache belegt ist.
    Daher wünsche ich mir eine flexiblere Auslegung der Guidelines durch die Reviewer. Ein starres Regelwerk – alle müssen gleich behandelt werden – mag im Zivil- und Strafrecht sinnvoll sein, bei der Ausübung eines nichtkommerziellen Hobbys halte ich es für nicht zielführend.

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  3. Es wäre auch nützlich wenn allen Reviewer-Namen auch ein Gesicht zugeordnet werden könnte und Reviewer auch mal bei „Problemen“ zum Telefon greifen würden.

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