Die Riesenfichte im Kirnitzschtal

Mehr als 400 Jahre hat die höchste, größte und älteste Gemeine Fichte in der Sächsischen Schweiz bereits auf ihrem Buckel. Mit ihren 60 Metern Höhe ist sie wahrscheinlich auch die höchste Gemeine Fichte in Deutschland und zählt zu den höchsten Europas. Im Kirnitzschtal ist sie vor starkem Wind geschützt, sodass sie und ihre über 50 Meter hohen „Kolleginnen“ eine solche Höhe und ein solches Alter überhaupt erst erreichen konnten. Die Buchen und Kiefern, die wir hier finden, schaffen es immerhin auf über 40 Meter.

Um die Vitalität der Krone im Blick zu halten, wird diese regelmäßig mit Ferngläsern überprüft. Bei einer der Überprüfungen wurde vor einiger Zeit in ca. 55 m Höhe eine blaue Plastikdose entdeckt, die nun die Gemüter erhitzt. Die Entfernung des Behälters durch Mitarbeit der Nationalparkwacht war ein gefundenes Fressen für die Presse: „Schatzsucher von Riesenfichte verbannt“ titelte die Sächsische Zeitung oder „Schnitzeljäger gefährden Sachsens höchsten Baum“ schreibt die MOPO. Schnitzel esse ich sehr gern, aber gejagt habe ich noch keines. Und von der Fichte verbannt musste auch keiner werden. Es wurde wie gesagt lediglich eine blaue Plastikdose entfernt.

Sie sollte als Geocache dienen, aber sie wäre es nie geworden. Zumindest nicht auf der offiziellen Plattform von Groundspeak unter der Web-Adresse: http://www.geocaching.com. Warum nicht? Ganz einfach, weil es auch beim Geocaching Regeln gibt, an die man sich halten muss. Für die Überprüfung bzw. Einhaltung sind unsere Reviewer tätig, die speziell bei Caches im Nationalpark Sächsische Schweiz eng mit der Nationalparkverwaltung zusammen arbeiten. „Wir sind sehr froh über die gute Zusammenarbeit mit den Reviewern der offiziellen Plattform für das Geocaching. Hier hat sich ein sehr konstruktives Miteinander eingespielt.“, so Hanspeter Mayr, Pressesprecher der Nationalparkverwaltung. Neben den regulären Guidelines von Groundspeak gibt es für den Nationalpark ein paar detailiertere Zusatzregeln, die hier: https://wiki.groundspeak.com/display/GEO/Sachsen nachgelesen werden können. Darin heißt es: „Caches im Nationalpark Sächsische Schweiz dürfen nur an ausgewiesenen Wegen bzw. Klettersteigen liegen. Baumklettercaches sind im Nationalpark nicht erlaubt.“ Der blaue Plastikbehälter in der Riesenfichte hätte also gar keine Chance gehabt, er wäre nie veröffentlich worden, sofern dies auf http://www.geocaching.com geschehen sollte. Es gibt auch andere (schwarze) Plattformen, die aber wesentlich weniger Anhänger haben bzw. an ganz anderen Locations interessiert sind.

Darüber hinaus ist zu sagen, als Geocacher hast Du gar nicht wirklich Lust auf eine Fichte oder einen anderen Nadelbaum zu klettern? Warum? Weil er stachelt? Nein, weil er harzt und damit das Seil ruiniert. Es gibt zwar Seilschoner, aber ausschließen kann man es nie wirklich, sodass immer die Gefahr bleibt, dass das Seil verklebt und damit unbrauchbar wird.

Der größte Feind der Riesenfichte sind daher gar nicht die Geocacher, sondern jemand ganz anderes: Buchdrucker und Kupferstecher, die zur Unterfamilie der Borkenkäfer gehöhren und die umliegenden Bäume schon stark geschädigt haben. Da im Nationalpark allerdings keine Bekämpfung dieses Schädlings erfolgen soll, man spricht hier von Prozessschutz, bleibt nur zu hoffen, dass der Borkenkäfer einen Bogen um die alte Dame macht bzw. sie so widerstandsfähig ist und den Borkenkäfer mit ihrem Harz abwehren kann.

Mit demjenigen, der den Cache in der Fichte im Kirnitzschtal angebracht hat, wurde Kontakt aufgenommen. Die Nationalparkverwaltung hat ihn informiert, dass der Cache entfernt wurde und ihn gebeten, dort keinen neuen zu legen. Dies hat er so zugesagt und auch mitgeteilt, dass die Koordinaten des Cache noch nicht veröffentlicht waren.

„Für Freunde des Geocaching war es ein extremer Nervenkitzel. Die Nationalparkverwaltung machte dem Treiben ein Ende.“ (Sächsische Zeitung) Welches Treiben? Bis auf denjenigen, der den Behälter versteckt hat, war noch gar keiner weiter oben in der Fichte, denn das Logbuch war leer, und wäre es wie oben erläutert auch geblieben. Aber so wird aus einer Mücke ein Elefant.

Nach den vielen negativen Schlagzeilen und Presseaussagen wie dieser hier „Die Nationalpark-Wächter sind sauer!“ (MOPO), hatte ich ein paar Befürchtungen um das bisher sehr gute Miteinander zw. Nationalpark und Geocachern, sodass ich mich direkt an die Nationalparkverwaltung gewandt und nachgefragt habe. Sowohl Herr Mayr als auch Herr Knaak, unser Ansprechpartner, wenn es um Caches im Nationalpark Sächsische Schweiz geht, sind weiterhin positiv für das Geocaching im Nationalpark eingestellt. Beide haben die sehr gute Zusammenarbeit mit den Reviewern und Cachern, die Caches in der Sächsischen Schweiz legen wollen, gelobt.

Für alle, die aufgrund der Presse jetzt denken, alle Geocacher klettern rücksichtslos mit Steigeisen auf Bäume in Nationalparken herum: NEIN! Mit Steigeisen klettern wir überhaupt nicht, sondern wir benutzen, wenn dann solch ein „Katapult“ wie es zur Bergung des Behälters aus der Riesenfichte benutzt wurde und klettern an Seilen gesichert nach oben. Natürlich ist es richtig, dass es dennoch zu Beschädigungen an der Rinde und am Baum kommen kann, deshalb werden Baumklettercaches von den Reviewern besonders kritisch bewertet bevor sie überhaupt freigegeben werden und in sensiblen Gebieten wie dem Nationalpark Sächsische Schweiz, sind solche Caches gar nicht erst erlaubt. Es gibt auch ganz normale Dosen am Erdboden zu finden – ob das immer naturschonender ist, ist eine andere Frage und wäre Stoff für einen eigenen Artikel. Und noch etwas: bezeichnet uns bitte nicht laufend als „SCHNITZELJÄGER“!

Zum Abschluss möchte ich mich noch einmal bei den Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung für das gute Miteinander und die gute bisherige Zusammenarbeit bedanken! Darüber sollte die Presse einmal berichten und nicht nur über die „bösen Geocacher“! Ich hoffe, dass auch in Zukunft die Geocacher in der Sächsischen Schweiz willkommen sind.

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2 Gedanken zu “Die Riesenfichte im Kirnitzschtal

  1. Als ich wegen einem eigenen Projekt im NP mit Herrn Knaack ein Gespräch führte, wurde ich auch wegen der Fichte angesprochen. Ich war selbst überrascht und konnte leider keine Infos beisteuern. Aber auf die Idee, einen T5 im NP zu legen, käme nicht mal ich.

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  2. Das mir der Bezeichnung „Schnitzeljäger“ sehe ich nicht so kritisch (siehe auch das Buch von Bernhard Hoecker). 😉

    Schlecht platzierte Dosen, ob veröffentlicht oder nicht, wird es leider vermutlich immer wieder geben, und die Maxime „bad news is good news“ ist auch unsterblich…

    Danke allerdings für die Kontaktaufnahme zum Nationalpark, gut zu wissen, wie es in Wirklichkeit ausschaut.

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