Silent Observer

Wie lange seid Ihr schon Geocacher und wie seid Ihr zum Geocaching gekommen?
„Unterwegs waren wir schon immer sehr viel. Eigentlich sollte das Garmin „Vista“ zum Radfahren und Wandern sein. Unsere Lieblingsnachbarn brachten uns darauf, was man noch so tolles damit anstellen kann und so cachten wir ab im Oktober 2007 „drauf los“. Der Accountname war zunächst klar. Sie hat aber auch ihre eigenen Vorlieben und ist noch ein bissel verrückter beim Cachen: So entstand der Account für „sie“ – water&sun. ;-)“

Wie lange seid Ihr Reviewer?
„Seit 2012 sind wir Reviewer. Mit dem Thema hatten wir uns nie auseinandergesetzt und waren erst einmal perplex als uns Groundspeak fragte. Darum gerissen haben wir uns nicht, wir benötigten sogar mehr als 14 Tage Bedenkzeit. Aktuell gab es in Sachsen außer Inspektor Fox keinen Reviewer, der für dieses Bundesland genauso „brennt“, wie wir. So sagten wir „ja“. Uns war bewusst, es wird eine schwierige Zeit: Viele LPs waren kurz vor unserem Start von der Cachekarte ‚verschwunden‘, es passierten andere „unpopuläre“ Dinge und die Anzahl der Cacher sowie Caches stieg gleichzeitig ins Unermessliche… Daher erklärt sich unser „zurückhaltender“ Name. Wir wissen inzwischen, dass Groundspeak Cacher für die Reviewertätigkeit favorisiert, die sich für das Hobby selbst engagieren und die selbst leidenschaftliche Cacher sind.“

Wie viel Zeit investiert Ihr pro Tag in Eure Reviewertätigkeit?
„Als wir 2012 anfingen, benötigten wir täglich mindestens 5 Stunden und das hat zeitweise nicht ausgereicht. Jetzt würden wir eher einen Zeitaufwand von insgesamt 15-30 Stunden pro Woche angeben. Glücklicherweise haben wir wieder mehr Zeit zum Cachen. Das zeitnahe Loggen fällt aus Zeitmangel häufig „hinten herunter“. Neben der normalen Reviewtätigkeit sind auch Abstimmungen mit anderen Reviewern in Deutschland nötig. Mittlerweile halten wir auch Kontakte zu Cachern und Reviewern in anderen Ländern. Der Schriftwechsel über den „großen Teich“, vorzugsweise in Englisch, sowie persönliche Informationen und die täglichen Emails nehmen einiges an Zeit mehr in Anspruch. Ehrlich gesagt, überfordert uns die Frage, denn so genau schauen wir nicht auf die Uhr. ;-)“

Was gibt es als Reviewer noch zu tun und wie oft und wie viel Zeit investiert Ihr dafür (ich denke da an Vorortbegehungen und Treffen mit dem Forst etc.)?
„Die Eigentümer, häufig in Verwaltung durch den Forst, sind die eigentlichen „Herren des Waldes“, nicht wir. Die Zusammenarbeit mit dem Forst erachten wir deshalb als einziges Mittel, Verboten zu entrinnen. Das haben wir uns in Jena bereits so organisiert. Wichtig ist auch, dass wir unser Hobby positiv präsentieren. Im Dresdner Forst brannte es seinerzeit und wir waren zur Stelle. So stellten Servatius Sebaldus und „Frau Silent“ das Hobby in der Runde aller Förster vor, um die positiven Seiten hervorzuheben. Dort wurde beispielsweise die Abstandsregel sehr begrüßt und man war beruhigt, dass es Verantwortliche gibt, an die man sich im Notfall wenden kann. Wir konnten sogar erreichen, dass die in Kritik stehenden zahlreichen T5 nicht (mehr) als SBA angemahnt wurden. Es ist zwar nervig, immer mal um Erlaubnis fragen zu müssen. Dafür gibt es sie noch: (umweltverträgliche) Caches in sehenswerten Naturschutzgebieten. Es stand in der Dresdner Heide „auf der Kippe“, ob überhaupt noch Caches gelegt werden können, weil ein Cacher sehr undiplomatisch auf Einwände von Forst und Jägern reagiert hatte. In einigen westdeutschen Gebieten ist bereits Schluss mit Cachelegen, weil das von den Behörden so bestimmt wurde. Auslöser sind häufig unvernünftig gelegte Caches u.v.a. Cacheserien.

Förster, Jäger und Naturschützer positiv „bei Laune zu halten“, das hat in Thüringen hier und da die Community übernommen. Das geschah in thematischen Veranstaltungen, aber auch bei CITOs oder in der Vereinstätigkeit des TGCV. Solche Initiativen durch die Community würden wir uns auch für den guten Ruf des Cachens in Sachsen wünschen. Überall einen guten Kontakt zu den Behörden zu halten und sie positiv für unser Hobby zu stimmen, dafür reicht die Zeit der Reviewer nicht.“

Wie ist bei Euch beiden die Aufgabenverteilung und die Zeit, die Ihr investiert – Hälfte-Hälfte oder macht einer von Euch mehr als der andere? Oder kümmert sich der eine zum Beispiel mehr um Mysteries oder T5s und der andere mehr um Events oder …?
„Beide „silents“ machen den Reviewerjob je 50/50. Jeder macht alles, je nachdem wer Zeit hat. Natürlich hat auch jeder Vorlieben: Sein Steckenpferd sind Zahlen und bestimmte technische Raffinessen. „Ihres“ Knobeleien, die Kommunikation, Sprachen, Verständigung… Schwierige Caches werden immer gemeinsam bearbeitet – ein Vorteil. 😉

Zu nennen wäre noch, dass sich die Reviewer auch untereinander abstimmen. Wir sind absolute Teamplayer, sowohl beim Cachen, als auch beim Reviewen. Einmal im Jahr treffen sich auch alle deutschen Reviewer mit Groundspeak. So waren wir gemeinsam mit dem Thüringen-Team im letzten Jahr die Organisatoren beim Treffen in Erfurt.“

Wie sieht die Statistik (prozentual) so bei Publishs aus, wie viele können gleich veröffentlicht werden? Wie viele benötigen noch eine Rücksprache mit dem Owner?
„Prozentual würden wir sagen, dass mehr als die Hälfte aller Caches erst einmal nachzubearbeiten sind. Das bedeutet auch für uns mehrfache Arbeit und für den Owner mehr Geduld bezüglich eines späteren Publishdatums.“

Welches ist der Hauptgrund, dass ein Cache nicht gleich freigeschalten werden kann?
„Da wäre der Abstandskonflikt als erstes zu nennen. Die automatische Prüfung von Groundspeak hilft aber bereits, sichtbare Wegpunkte vorzuprüfen.

Häufig sind es simple Sachen: bei Multis wird die erste Station nicht angegeben weil die Automatik im Formular nicht danach fragt, Hints die nicht zielführend sondern banal sind, fehlende Attribute, fehlende Rückmeldung vom Cacheowner und Probleme mit dem Rollstuhlattribut wären hier zu nennen. In letzter Zeit gibt es leider auch zunehmend das Bestreben, Cachern religiöse, soziale oder politische Meinungen aufs Auge drücken oder Werbung betreiben zu wollen. Hier ist unsere Tätigkeit gleichzeitig eine „Filterfunktion“, die nicht immer leicht zu handhaben ist.“

Da Ihr ja in Thüringen und Sachsen als Reviewer tätig seid, gibt es da Unterschiede in den eingereichten und gepublishten Caches (Menge, Typen, D-/T-Wertungen, Events, Probleme, …)?
„Wir sehen weniger länderspezifische Unterschiede, sondern mehr regional bedingte Unterschiede. In den großen Städten ist mehr Zuwachs zu verzeichnen, die Caches vor allem in den Universitätsstädten sind gefühlt komplexer und komplizierter –auch für den Reviewer. 😉

In Thüringen beobachteten wir, dass der Trend wieder hin zu sehr kreativen Tradis und zum Zeigen schöner Orte geht. In Sachsen wird der schwieriger zu lösende Mystery hoch gehalten. Die Zahl der unerfahrenen Anfänger ist generell nicht mehr so hoch wie in den Jahren 2012/13. Die Menge hält sich in beiden Ländern in etwa die Waage. D/T lastige Caches sind in beiden Ländern beliebt.“

Wie steht Ihr zu LPs, T5s, Events mit höherer D/T-Wertung (wenn berechtigt), Challenges etc. (als Cacher und als Reviewer)?
„Als Cacher mögen wir bekanntermaßen LPs, T5 aller Art sehr. Allerdings macht es schon einen Unterschied, ob ich ganz privat als Cacher unterwegs bin oder aber ob ich für die Firma Groundspeak Caches beurteilen und freischalten soll. Als Cacher und Privatperson kann ich schon mal „bei rot über die Kreuzung gehen“ – muss dann selbst die Konsequenzen tragen -, als Reviewer habe ich mich strikt an die Guidelines zu halten.

Zum Thema T5: In Westdeutschland gab es in einigen Regionen erhebliche Probleme. Dort ist nun bei Klettercaches um Erlaubnis zu fragen. Noch brauchen wir das in der Region „Deutschland Mitte-Ost“ nicht schriftlich. Dies gilt jedoch nur so lange, wie Vernunft beim Cachelegen existiert, die Warnhinweise beachtet und die Interessen der Eigentümer, des Naturschutzes und der Jäger nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Möge es so bleiben!

Events mit hoher D/T-Wertung haben in den letzten Jahren überhandgenommen, anfangs aus Spaß, dann aber auch immer mehr gefordert für alle möglichen Sachen: „zeitiges Aufstehen, Winterwetter, Regen, … Unserer persönlichen Meinung nach sollten die D/T Wertung der Mühe entsprechen, die sich ein Owner gibt, um Cachern etwas Außergewöhnliches anzubieten. Aber das ist subjektiv und dieses Thema ist auch noch nicht bis zum Ende ausdiskutiert. Vielleicht helfen viele Beispiele anspruchsvoller Events mit euren Bitten, dass Groundspeak über diese Regelung nachdenkt.

Persönlich sagen wir: Was interessiert mich die Statistik, wenn ich beim betreffenden Event viel Spaß haben kann? Kürzlich waren wir bei einem T1.5 Eislaufevent.

Challenges mögen wir als Cacher, vorausgesetzt, sie lassen sich nicht zu umständlich in ihrer Erfüllung nachweisen. Als riskant einstufen würden wir Challenges, die unter starkem Zeitdruck zu erfüllen sind. Challenges, die von bestimmten Ownern eigens dazu gemacht sind, um zu zeigen was sie für „tolle Hechte“ sind, das ist uns zu EGO. Wir sehen hier mehr den gemeinsamen Spaß am Erreichen von Zielen.“

In der Dresdner Heide zum Beispiel werden nur noch Caches mit Genehmigung vom Forst gepublisht. Droht das auch für andere Gebiete?
„Momentan ist nichts bekannt, wobei es hier und da Ansinnen gibt, dass Eigentümer keine Caches dulden. Allerdings besteht die Gefahr überall dort, wo mit Unvernunft Caches gelegt werden. Powertrails sind unter dem Aspekt kritisch zu betrachten, unachtsam in Naturschutzgebieten gelegte Caches noch viel mehr, auch Schrauben und andere Beschädigungen beim Anbringen. Owner sollten sensibel reagieren, wenn Widerstände hervortreten.“

Wie sind so Eure Erfahrungen mit Ownern? Eher positiv oder negativ? Welche Probleme gibt es und wie versucht Ihr diese zu lösen bzw. zu umgehen?
„Owner sind auch leidenschaftliche Cacher, genau wie wir. 😉 Wir versuchen gemeinsam mit den Ownern jeden Cache so hinzubiegen, dass der grüne Knopf gedrückt werden kann. Am meisten freut es uns, wenn nette oder auch mal lustige Worte in den Reviewer Notes rüberkommen.

Böse Worte gibt es höchst selten. Mitunter erfahren wir Unverständnis, z.B. wenn ein Cache wegen der Abstandsregel abgelehnt werden muss. Aber diese Regel hat nun mal nichts mit eventueller Verwechslungsgefahr zu tun, sondern damit, dass Groundspeak die Anzahl der Caches auf einer Fläche begrenzen möchte. Ebenso problematisch kann die Verständigung mit Ownern werden, wenn es um so manches gewünschte Event geht. Ein Event soll eben von Cachern für Cacher organisiert sein und nicht „im Schlepptau“ als Werbung für öffentliche Veranstaltungen.
Bei ungeduldigen Reviewer Notes der Owner geht zumeist um den Versuch ausgedachte Ideen nachdrücklicher „durchzubringen“. So richtig persönliche Konflikte hatten wir in unserer bisherigen Laufbahn je einmal in beiden Ländern.“

Was würdet Ihr Euch von den Cachern wünschen, welche Empfehlung habt Ihr für sie?
„Publish zu einem besonderen Termin sollte nur bei besonderen Ereignissen stattfinden, denn unverhoffte FTFs sind für alle Cacher richtig spannend.

Bei terminlichen Publish-Wünschen sollte eine Vorlaufzeit von 14 Tagen eingeplant werden. Auf der sicheren Seite ist man, wenn das gewünschte Datum in der Überschrift so angegeben wird: [30.03.2016] Was nicht so bekannt ist: Jeder Cache hat 7 Tage Zeit, bis die erste Begutachtung erfolgt sein sollte. Häufig sind wir viel schneller, aber davon sollte man nie ausgehen. Muss ein Cache nachbearbeitet werden, so sind für den Reviewer weitere 7 Tage Zeit zum Reagieren. So kommen die 14 Tage im „Ernstfall“ (Krankheit, wenig Zeit, viele Caches, interne Beratung…) in seltenen Fällen auch mal zusammen.“

Wie nervig zum Beispiel ist für Euch das Vorabüberprüfen von freien Koordinaten?
„Für die Owner ist es vor allem in Gebieten, wo es bereits viele Caches gibt, natürlich besser, wenn sie erst einmal freie Koordinaten checken lassen können, bevor sie sich die Mühe machen und eine Dose an einer Stelle verstecken, die am Ende gar nicht frei ist. Nimmt es mit der Vorabüberprüfung von Koordinaten überhand oder bekommt Ihr meist wirklich nur ernstgemeinte Anfragen, die am Ende auch mit einem Publish eines Caches enden?

In den Regeln heißt es, der Cache soll fertig sein, wenn das Listing eingereicht wird. So mancher tolle Cache oder gar Multi wird mit erheblichem Aufwand gestaltet und ist zudem für den Owner dann auch mit reichlich Geld verbunden. Eine Koordinatenvorprüfung ist da immer angeraten. Wir sind dafür offen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass ein solches Vorhaben schon gut durchgeplant sein sollte, damit es nach der Vorprüfung auch zügig zu Ende gebracht werden kann.
Die automatische Abstandskontrolle beim Erstellen des Listings auf der Seite von Groundspeak ist zwar eine hilfreiche Sache, was aber viele Owner übersehen: Verdeckte Wegpunkte eines Multis oder Finals von Mysterys werden natürlich nicht angezeigt. Das Beste für die Qualität des zu legenden Caches ist, wirklich viele Caches selber gemacht zu haben, dort wo man etwas neues auslegen will und auch anderswo. Dies gilt natürlich unter der Annahme, dass die vorhandenen Caches nicht gemogelt wurden. ;-).“

Gib es noch etwas, was Ihr gern los werden wollt?
„Koordinatenmogelei gibt es gar nicht so selten… Vordergründig „ärgert“ das nicht den Reviewer, sondern verursacht Stress in der Community. (Finals zu dicht beisammen, gefakte Koordinaten blockieren andere Wegpunkte, illegale Caches bringen des Hobby in der Gesamtheit in Verruf,…) Wozu also? Richtige Kreativität vermag auch legal mit „Schranken“ umzugehen.
Für außergewöhnliche Ideen lohnt es sich außerdem, auch mal bei Groundspeak anzufragen.“

Viele Grüße von den beiden
silent observer
Gisela und Michael

Advertisements